Come On Girls

`Come on girls´ - und da kommen sie - eine große Gruppe Stuten in den verschiedensten Falbfarben mit ihren Fohlen galoppieren auf uns zu. Cameron Ormiston nahm sich einige Stunden Zeit, um uns einen großen Teil seiner ca. 80 Highland Ponys zu zeigen, dabei haben wir ihm gleich zu Anfang unseres Besuchs erzählt, daß wir bereits zwei Highland Ponys im Stall stehen haben und kein weiteres mehr kaufen wollten.

Highland Pony Skymuir Bervie im Winter 2003

Alle Schotten, die ich kennengelernt habe sind genauso stolz auf ihre Highland Ponys wie Cameron; dessen Prefix ´Croila´ wird seit Generationen vom Vater an den Sohn weitergegeben.

Das Highland Pony ist die schwerste der neun British Native Breeds. Bei einer Größe von 132 - 148 cm kann ein modernes ausgewachsenes Pony ein Normalgewicht von 550 kg haben. Wie viele Ponyrassen neigen auch die Highland Ponys, die in ihrer Heimat karge Hochlandweiden gewohnt sind dazu sich auf unseren reichhaltigen Weiden einen ordentlichen Bauch anzufressen. Oft hilft da nur regelmäßige Bewegung und rationierter Weidegang.

Highland Pony Skymuir Danaidh

 

 

Die ursprüngliche Umgebung der schottischen ´Highlands and Islands´ , an die es sehr gut angepaßt ist, hat das Highland Pony zu einem harten, trittsicheren Tier gemacht. Das Winterfell ist dicht und isolierend, so daß die Robusthaltung die ideale Haltungsform ist. Mähne, Schweif und der Behang an den Beinen sind füllig und seidig. Das Sommerfell ist fein und glatt.

Ihre Farben erinnern an die Heimat der Ponys: Falben in allen Schattierungen (grey dun, cream dun, mouse dun, yellow dun, chocolate dun), Braune und Rappen. Viele Highland Pony Besitzer wollen es nicht wahr haben, aber die meisten der als grey dun oder cream dun gekauften Ponys werden schließlich weiß, wobei in Schottland der Begriff ´white´ tunlichst vermieden wird; man spricht von ´grey´ und solange auch nur ein farbiges Haar an einem Pony zu finden ist, sagt man cream dun, grey dun, ...... Die vollfarbigen Ponys behalten ihre Farbe meistens ihr ganzes Leben lang. Ob ein Pony einmal ein Schimmel wird oder nicht, kann man bereits am ersten Lebenstag oder nach dem Wechsel des Fohlenfells erkennen: Schon einige wenige weiße Stichelhaare, vorzugsweise um die Augen herum, geben die Gewissheit.

Highland Pony Skymuir Dramna

Eine Besonderheit gibt es: Die Highland Ponys der Insel Rhum entwickeln ungewöhnliche Farben wie zum Beispiel Füchse mit silbernem Behang. Einige wenige Gestüte haben sich in ihrer Zucht auf diese Farben spezialisiert. In Großbritannien sind Füchse jedoch in keiner der British Native Breeds sehr beliebt. Viele Ponys haben einen Aalstrich, Schulterstreifen und/oder Zebrastreifen an den Beinen. Weiße Abzeichen sind nicht gern gesehen; nur ein kleiner Stern wird akzeptiert, denn ein Pferd mit einem Stern kann keinen schlechten Charakter haben, heißt es. Hengste mit Abzeichen, abgesehen von einem kleinen Stern können nicht lizensiert werden.

In der Vergangenheit gab es einen deutlichen Unterschied zwischen den leichteren, kleineren ´Western Islands` Ponys und den schwereren, größeren ´Mainland`Ponys. Die Zahl der Züchter wuchs und die Blutlinien wurden vermischt, so daß die Ponys nicht mehr eindeutig einem dieser Typen zugeordnet werden können. Das Highland Pony stammt von den primitiven Ponys Schottlands ab, einzelne Züchter setzten spanische Pferde und andere Clydesdale Pferde (die schottische Variante der Shire-Horses) ein. Seit den 80er Jahren des 19.Jhd. wird ein Zuchtbuch geführt und obwohl sich 1923 die Highland Pony Society gründete, wurden die Ponys bis in die 60er Jahre durch die National Pony Society eingetragen. Um die Jahrhundertwende wurde vom Schottischen Landwirtschaftsministerium das Knocknagael-Gestüt gegründet, das die Crofter mit Highland Hengsten für ihre Stuten versorgte; dieses Gestüt wurde in den 70er Jahren des 20. Jhd. aufgelöst.

Skymuir Eilean im Winter

In Schottland gibt es keine zentrale Eintragung von Stuten oder Körung von Hengsten und somit keine neutrale Bewertung der Ponys; auch das Zuchtziel ist sehr allgemein formuliert. Die Highland Pony Society entscheidet nicht, welche Hengste zur Zucht verwendet werden dürfen; die Hengste müssen nur eine tierärztliche Untersuchung bestehen um eine Lizenz zu erhalten. Als Folge dieser Praxis entstand eine Vielzahl von Typen, die jedoch immer noch eindeutig als Highland Ponys zu erkennen sind.
Vor kurzem begann eine Zusammenarbeit zwischen dem Rare Breed Survival Trust und der Highland Pony Society; ein erster Schritt ist der Aufbau einer Samenbank mit möglichst vielen Hengsten, die über mehrere Generationen nicht miteinander verwandt sein sollen. Das klingt einfach, ist aber tatsächlich schwierig, denn es gibt nicht einmal zwei deutlich voneinander getrennten männlichen Ursprungslinien und rückläufige Fohlenzahlen in den letzten 8 Jahren.

Highland Ponies Skymuir Ailsa und Skymuir Danaidh

Das Highland Pony war ursprünglich ein Allzweck-Pony in den ´Highlands and Islands`von Schottland, das von den Crofter zum Pflügen, in der Forstwirtschaft, zum Reiten und zum Transport verschiedenster Dinge eingesetzt wurde. Auf den Highland Estates werden sie auch heute noch gern eingesetzt um erlegte Hirsche und anderes Wild aus unwegsamem Gelände zu tragen. Der traditionelle Gebrauch der Highland Ponys ging jedoch mit der Einführung des Traktors zurück, so daß die Ponys in den 50er Jahren in großer Zahl verkauft wurden. In diese Zeit fiel auch ein dokumentierter Import eines Hengstes nach Deutschland. Der Hengst Jack, 1954 mit der Deckerlaubnis A für die damalige Nordrheinprovinz gekört, soll später auch in der Dülmener Wildbahn eingesetzt worden sein. Eine neue Perspektive ergab sich für die Zucht durch die Einführung des Pony-Trekking in den 50er Jahren. Auch in den 70er Jahren gab es einzelne Importe nach Deutschland, aber erst gegen Ende der 80er Jahre kam der Stein so richtig ins Rollen. Mittlerweile gibt es ca. 250 Highland Ponys in Deutschland und einige Enthusiasten beginnen zu züchten. Jährlich werden zwischen 10 und 15 Fohlen geboren. Heutzutage ist das Highland Pony ein vielseitiges Familienpony, ebenso geeignet zum Freizeitreiten, Fahren, Dressur, Springen, Vielseitigkeit und Distanzreiten (je nach Typ) wie als Therapie-Pferd.

Highland Ponys wurden in viele Länder exportiert und es gibt Züchter in Frankreich, Belgien, Holland, Polen, Australien, Canada und in den USA.

 

Skymuir Eilean und Skymuir Danaidh

 

Dieser Artikel erschien im Pferdeanzeiger Spezial Ponys & Kleinpferde Nr. 1/2003